Es ist noch nicht lange her, da sagte ein Dozent zu mir in Köln: „Youtube-Videos braucht ihr gar nicht erst versuchen als Quelle anzugeben – das wissenschaftliche Publikationsformat ist textbasiert und bis jetzt wurde kein anderer Weg gefunden!“. Was aber, wenn es Videos statt Texte gibt, die wissenschaftlichen Standards entsprechen? Die ebenso mit Quellen arbeiten und den Ansprüchen genügen? Ist das Video dann schlechter oder besser als ein Text?

Mit dem Journal of Embodied Research wird jetzt der Versuch gewagt, ein wissenschaftliches Journal anzubieten, welches nur aus Video-Essays besteht und sich an ein breiteres Publikum richtet als bisherige Projekte: „This will be the first peer reviewed video essay journal to be published for a broad scholarly readership“. Die Ziele sind ambitioniert: „JER will be relevant to a wide number of disciplines, including Theatre, Dance & Performance Studies, Film & Media Studies, Anthropology & Neuroanthropology, Cultural Studies, and Disability Studies, that encompass the Humanities, Medicine, Arts, and Sports Science, as well as professional Performing Arts practice and Expressive Arts Therapies“.

Vielleicht habt ihr selber schon mal ein Videoessay – bewusst oder unbewusst – gesehen im Netz, z.B. über Wes Anderson Filme:

Video-Essays sind in den Medienwissenschaften an sich kein neues Format, um Filme, Aufführungen oder Computerspiele zu analysieren (oft muss zusätzlich dazu ein wissenschaftlicher Text mit Konzept und Begründung eingereicht werden). Der Vorteil: In Textform müssen Szenen von Filmen oder Spielen umständlich beschrieben werden, während sie im Videoformat einfach gezeigt werden können.
So existiert bereits das Journal of Videographic Film & Moving Image Studies, welches zusätzlich die Review-Notizen und einen Text des Autors bzw. der Autorin veröffentlicht. Ein Beispiel findet sich hier:

Es stellt sich natürlich die Frage, wie valide solche Video Essays sind und wie ein solches Essay den wissenschaftlichen Standards gerecht werden kann – dies bemerkt ihr sicher schon, wenn ihr das erste mit dem zweiten Video vergleicht. Daher wird es spannend sein, wie das Journal of Embodied Research den Review-Prozess und die Darstellung des Journals gestaltet, wenn es nicht nur um Filme gehen soll.

Weiterhin stellt sich die große Frage, welchen Einfluss das Format Video auf die wissenschaftlichen Publikationswege in anderen Disziplinen haben wird in Zukunft. Technisch existieren hierbei nämlich nur noch sehr wenige Hürden, die gegen eine Nutzung des Formats Video sprechen.

Falls ihr bereits innovative Beispiele kennt, gerne her damit!

Weiterführende Links:

 

 

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Posted by:Matthias

Schreibt schon länger ins Internet rein, hat etwas mit Medien und Bildung studiert und ist von Offenheit und Kollaboration fasziniert. Er ist Wissensarbeiter an der Schnittstelle von Informatik und Medienbildung/Medienpägogik, arbeitet als Selbstständiger sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt OERlabs in Köln. Twitter: @m_andrasch

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